Halbzeit – ein halbes Jahr in Togo

Auch wenn ich es selbst noch nicht wirklich glauben kann, aber die Hälfte des Freiwilligendienstes ist schon um. Natürlich ergibt das mit einem Blick in den Kalender Sinn, Anfang September ging es los und jetzt ist ja schon Anfang März.. Maisernte, der Besuch aus Potsdam, die (nächtliche) Kälte des Hamatan und das saisional unterschiedliche Obst. Dann die Reise nach Lomé und Kpalime, Besuch von anderen Freiwilligen und jetzt endlich der erste Regen nach fast einem halben Jahr.

Ehrlich gesagt kann ich mir noch gar nicht vorstellen wie es sein wird, wieder nach Deutschland zu kommen. Vielleicht werde ich einige Sachen gelassener angehen und manches mehr zu schätzen wissen. Aber dass sieht man dann ja in einem halben Jahr 🙂

Die letzten Monate waren recht ereignissreich, unter anderem eine Hochzeit in der Familie und momentan der Besuch von einer ehemaligen Freiwilligen die sich hier noch immer in einigen Projekten engagiert. Für mich ist sie ein Vorbild, gerade in der Hinsicht, dass sie es schafft, weiterhin jedes Jahr ihre zweite Heimat zu besuchen.                                                 Auch mir ist meine Gastfamilie so sehr ans Herz gewachsen dass ich froh bin, dass der Abschied noch nicht so nahe steht. Es gibt auch noch so viel zu lernen und dabei sind es nur noch 25 Wochen.

So, es tut mir leid, dieser Beitrag kommt schon wieder nach einer echt langen Pause und ist auch mal wieder recht unstruckturiert. Im nächsten Beitrag möchte ich über die Schule und die abendlichen Angebote in der Bibliothek schreiben. Gerne könnt ihr aber auch in den Kommentaren schreiben, welche Themen euch interessieren würden.

Das Bild zeigt einen Cashew-Baum samt Frucht. Was in Deutschland ankommt, ist die geschälte und geröstete Nuss, welche sich unterhalb der rötlichen Frucht befindet. Während die Nüsse gesammelt und zur Weiterverarbeitung u.a. nach Sokode verkauft werden, werden die sehr saftigen, leicht süßlich schmeckenden Früchte hier gegessen.

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Ein Tag in Balanka..

Ich habe jetzt schon oft so etwas gehört wie „das ist ja total mutig von dir, ein Freiwilligendienst in Afrika“, oder auch „das muss ja total anders dort sein“.

Ganz ehrlich, so anders finde ich es gar nicht. Gut, ich bin im Gästehaus mit fließend Wasser (wenn auch oft nur unten an einem Wasserhahn) und Gasherd auch recht verwöhnt. Aber beurteilt  doch einfach selbst..

Mein Wecker klingelt morgens um 6:30 Uhr. Meist bin ich dann schon wach, auch wenn mich die Rufe der Muezzin morgens um 4 und um 5 Uhr nicht mehr stören. Dann heißt es für mich aufstehen, schauen ob oben im Bad mal wieder Wasser aus den Leitungen kommt und ansonsten mit einem Einer runter gehen um von unten das Wasser aus dem Hahn zu holen. Da dort auch manchmal kein Wasser kommt (liegt vermutlich an der Trockenzeit) fülle  ich immer etwas auf Vorrat in eine Tonne im Bad. Dann heißt es sich fertig machen. Und die „Eimerdusche“, also Wasser mit einer kleinen Schüssel aus der Tonne schöpfen und zum Duschen zu verwenden klappt gut. (Natürlich auch deutlich Wassersparender)

Zum Frühstück kaufe ich mir entweder am Vorabend Brot und mache mir einen Tomatensalat dazu (momentan gibt es wenig Gemüse außer Tomaten, Zwiebeln, Schoten und einige spinatähnliche Blätter). Oder ich gehe vor die Haustür und kaufe am Imbiss meiner Nachbarin Reis, Bohnen, Nudeln und Soße. Dieses Gericht wird an verschiedenen Ständen den ganzen Tag über verkauft. Man kann aber auch fritiertes Brot, fermentirten Maisbrei mit Soße und Fisch oder Brouille kaufen, ein warmes, dickflüssiges Getränk zu dem oft fritierte Teigbällchen gegessen werden.                  Genug Auswahl besteht also. Mit einem Tee Runde ich das Frühstück ab.

Um kurz vor 9 Uhr gehe ich aus dem Haus, schaue kurz auf dem Hof meiner Gastfamilie vorbei und gehe die wenigen Meter bis zur Bibliothek. Dort treffe ich auf meine Kollegen und wir beseitigen die Reste des Chaos vom Vortag. Also Bücher richtig einsortieren, Spiele zusammen sammeln und durchfegen. Dann werden Bücher repariert, mit Kindern, deren Unterricht ausfällt wird lesen geübt. Aber alles sehr entspannt.

Um 12 Uhr ist dann erst Mal Mittagspause und ich gehe direkt zum Hof der Familie. Entweder verbringe ich noch etwas Zeit im Atelier von Samsia oder ich helfe beim Kochen und versuche das eine oder andere Wort auf Balanka zu erlernen. Mittags gibt es oft Reis mit Soße, Bohnen mit Öl und Manjokmehl bzw. Brot oder Igname (Wurzelgemüse, schmeckt ähnlich wie Kartoffeln) mit Soße. Nudeln mögen meine Geschwister besonders gerne. Ich glaube dass ist überall auf der Welt gleich 🙂

Nach dem Essen bleibe ich gerne noch etwas auf dem Hof. Mal unterhalten wir uns, holen zusammen sauberes Trinkwasser von dem Haus gegenüber der Bibliothek, spielen etwas oder waschen Sachets  (Wassertüten in denen je 0,5 l Trinkwasser verkauft werden) und mit denen Samsia in ihrer Recyclingschneiderei arbeitet.

Zwischen 13 und 14:30 Uhr gehe ich meist ins Gästehaus zurück, um Wäsche zu waschen, zu putzen oder mich einfach etwas auszuruhen. Freitags gehe ich meist nach dem Mittagsgebet um 15 Uhr mit meinen Geschwistern auf den großen Markt.

Um 16 Uhr geht es dann wieder in die Bibliothek. Dienstags, Donnerstags und Samstags finden dort im wöchentlichen Wechsel die Mathe- und Englischclubs statt. Also nach oben gehen, die Tische und Stühle richtig hin stellen, die Tafel wischen, Bücher holen und noch mal kurz den geplanten Inhalt durchgehen. Die Clubs machen Mahadiou (togolesischer Freiwillige) und ich. An den anderen Abenden betreue ich unten mit die Bibliothek, also Verleih, Hilfe bei Hausaufgaben und dafür Sorge tragen dass es nicht allzu laut wird.

Um 20 Uhr wird die Bibliothek geschlossen und ich gehe wieder zum Hof der Familie. Für den Weg begleite ich mit meinem Kollegen auf der Hauptstraße ein paar Meter bis zur großen Moschee um von dort aus zum Hof der Familie zu gehen. Ein kleiner Umweg zwar, dafür besser beleuchtet und ebener. Auf dem Hof der Familie wartet dann schon das Abendessen auf mich. Meistens Pâte, ein fester Brei aus Maismehl, Manjokmehl und Wasser sowie Soße mit einem Stück Soja drin. Der Brei wird mit der rechten Hand zu einer Kugel geformt und dann in die Soße getunkt, die dem Ganzen auch den Geschmack verleiht. Nach dem Essen spiele oder tante ich noch mit meinen jüngeren Geschwistern und deren Freunden oder sitze mit Samsia und Moudjana bei der kleinen Cafétéria meiner Gastmutter, wo abends Tee, Kaffee, Omelett und Brot verkauft wird. An anderen Abende bin ich zu erschöpft und gehe recht schnell nach dem Essen nach Hause.

Zwischen 21 und 22 Uhr gehe bei mir im Zimmer dann meist das Licht aus.

Kleine Besonderheiten sind das wöchentliche Joggen mit Samsia jeden Samstag morgen und natürlich der freie Sonntag. Manchmal besuche ich den Gottesdienst der kleinen christliche Gemeinde, ansonsten steht da natürlich auch noch der große Hausputz und gegebenfalls die Müllverbrennung hinter dem Haus an (zum Glück selten notwendig, es gibt eben nur in Lomé eine Müllabfuhr). Am Sonntag verbringe ich die meiste Zeit auf dem Hof der Familie.

So, ich hoffe ihr konntet so einen kleinen Einblick in meinen Alltag bekommen. Auch wenn ich mich selten aus dem Dorf entferne bin ich hier sehr glücklich und fühle mich sehr wohl in Balanka.

Liebe Grüße und bis bald, Jasmin 🙂

Bildbeschreibung: Am Kindertisch der Bibliothek, bestehend aus einer großen Holzspule und drei Bänken drum herum sitzen drei Schüler*Innen der ersten und zweiten Grundschulklasse und üben zusammen mit Jasmin lesen.

P.S. Das Bild ist für die Twitteraktion von Bildung von Balanka aufgenommen worden. Der Veröffentlichung wurde zugestimmt.

Neujahrsvorsätze

Hallo,

Endlich schaffe ich es auch mal wieder hier etwas hoch zu laden. Und für das Jahr 2019 bzw. die verbleiben 7 Monate nehme ich mir vor, wieder regelmäßiger etwas zu schreiben.

Ein kleines Update: Im Dezember war ich für eine Woche mit meiner gleichaltrigen Gastschwester verreist, danach stand auch noch das erste Seminar in Kpalimé an. Ich hatte kurz vor Neujahr Besuch von Freiwilligen und war schon zwei mal in Benin. In der Bibliothek beginnen diese Woche die Mathe-,Englisch- und Computerkurse für die Schüler des Collège (bei uns 7. – 10. Klasse).

Zwar habe ich für diesen Blog nicht viel geschrieben, dafür zwei Blogbeiträge für einen anderen Blog verfasst. Zudem findet man diese Woche auf dem unten angegeben Twitteracount Bilder von Balanka.

Blinde Menschen in Togo

Freiwilliges Jahr in Togo, eine Sehbehinderte erzählt

Im Gespäch mit Mr. Blindlife

Kurz vor meinem Abflug war ich bei Erdin Ciplak (Mr. Blindlife) eingeladen, über den Freiwilligendienst unter dem Aspekt meiner Sehbehinderung zu sprechen. Erdin selbst sieht etwa 2% und macht mit seinem Kanal auf die Themen Sehbehinderung und Blindheit aufmerksam.

Den Link zu Video findet ihr hier: https://youtu.be/8g_

Inzwischen habe ich natürlich in dieser Hinsicht schon einige Erfahrungen gemacht. So wird beispielsweise der Langstock wahrscheinlich eher in der Ecke verstauben da sich wenig aus dem Mobilitätstraining anwenden lässt. Stattdessen vertraue ich auf die Taschenlampe oder gehe einfach drauf los was kein Problem ist, wenn ich abends nach der Bibliothek einen kleinen Umweg mache um die begradigte, etwas bereitere Straße zu gehen. Mit dem Langstock hatte ich es nur zwei Mal kurz in Kpalimé versucht und wurde eher verunsichert als dass es etwas genutzt hätte. Stattdessen würde mir an sehr unwegsammen Stellen von anderen Freiwilligen angeboten, sich führen zu lassen. Einen großen Gewinn an Mobilität kann man jedoch gerade in den großen Stadt en durch die unzähligen Moto – Taxis verzeichnen, welche dich zu ziemlich jedem Ort fahren können. Voraus gesetzt, du beschreibst die Strecke gut genug, unterwegs war es mir nämlich nicht möglich einzelne Orientierungspunkte wieder zu finden. Aber es macht echt viel Spaß, etwas das ich mit Sicherheit in Deutschland vermissen werde.

Endlich angekommen !

Endlich angekommen! Nach einer Woche in Lomé und zwei Wochen in Kpalimé habe ich die anderen Freiwilligen verlassen und mich mit einem Kleinbus auf den Weg nach Balanka begeben. Dort lebe ich jetzt seit fast drei Wochen und habe mich gut eingelebt. Dank meiner Gastmütter (Ja, es sind zwei), meiner Gastschwester und einer ehemaligen Freiwilligen die für eine Woche hier ihren Freund besucht hat habe ich jetzt auch die wichtigsten Worte auf Balanka gelernt. Aber auch so wird mir zwischendurch das eine oder andere Wort beigebracht. Während ich inzwischen schon anfangen auf Französisch zu denken, so reichen meine Kenntnisse  auf Balanka aber noch nicht über einige wenige Höflichkeitsfloskeln hinaus.

Mein Arbeitsplatz ist die Bibliothek in Balanka, welche durch den Verein „Bildung für Balanka e.V.“ errichtet wurde. Ich arbeite mit einem Bibliothekar und einem togolesischen Freiwilligen zusammen. Die Bibliothek ist jeden Abend sehr gut durch die Schüler besucht und wir helfen ihnen nicht nur bei den Hausaufgaben sondern üben mit ihnen auch auf Französisch zu lesen. Schließlich findet der ganze Unterricht  (abgesehen vin Deutsch- und Englischunterricht) auf Französisch statt.                               Ehrlich gesagt erfüllt sich hier der Plan, den wir während meiner Schulzeit für die Oberstufenmediathek an der Schule hatten. Hier gibt es Computerarbeitsplätze, einen Schulbuchverleih und neben einigen Sachbüchern auch viele Romane und ein paar Bilderbücher. Fast alle Bücher sind gespendet weshalb viele Bücher von europäisches Autoren natürlich wenig den Lebensalltag der Leser widerspiegeln oder einen Protagonisten aus dem globalen Süden aufweisen. Ganz ehrlich, wie viele Bücher kennt ihr  in dem der Protagonist aus dem globalen Süden stammt? Wahrscheinlich sehr wenige. Vielleicht ein Buch was das Leben aus der Sicht eines Kindes aus dem globalen Süden schildert, aber dann würde mich interessieren, wer der Autor ist. Und wo sind die Abenteuergeschichten, die Helden in den Romanen? Andere Sichtweisen und vor allem Bücher könnt ihr gerne in den Kommentare oder einer persönlichen Nachricht an mich erwähnen.

Ich lebe getrennt von meiner Gastfamilie im Gästehaus in dem auch meine Vorgänger gelebt haben, jedoch verbringe ich viel Zeit bei meiner Gastfamilie. Dazu jedoch ein anderes Mal mehr denn momentan habe ich hier recht viel Besuch durch Schüler einer Partnerschule aus Deutschland.

Bildbeschreibung: Auf dem Bild sieht man meinen Kollegen und mich an einem Holztisch in der Bibliothek. Der Raum ist recht dunkel, im Hintergrund befinden sich an den Wänden Bücherregale.

„Wir überfallen einfach eine Bank“

So klingt es, wenn man diskutiert wie man einen Förderkreis auf die Beine stellt und vielleicht schon die eine oder andere Absagen möglicher  Förderer erhalten hat. Dann wirken die 2.700 € welche notwendig sind, um den Anteil der Kosten abzudecken, die nicht vom Bundesministerium für Entwicklung und politische Zusammenarbeit getragen werden wie eine unüberwindbare Herausforderung. Unsere Aufgabe als Freiwillige besteht also auch darin, auf unseren Freiwilligendienst aufmerksam zu machen und einen Förderkreis aufzubauen. Dieser kann aus Freunden, Familie, Bekannten und Firmen bestehen.                                                                                                                          Einen Förderkreis aufzubauen erfordert Zeit und das nötige Selbstvertrauen, gerade wenn man die eine oder andere Absagen erhält. Andererseits kann ich beispielsweise unter anderem der evangelischen Kirche in Ueberau für eine Spende danken. Der Aufbau des Förderkreises führt dazu, dass man sich selbst mit dem Thema Freiwilligendienst auf einer anderen Ebene auseinander setzten muss und sich durchaus interessante Gespräche mit neuen Gedankenanregungen entwickeln. Ganz unabhängig ob die jeweilige Person letztendlich zu Förderkreis gehört oder nicht.

Da es eine echt hohe Summe ist, die durch den Förderkreis zusammen kommen muss und es nicht gestattet ist, diese Summe selbst aufzubringen um zugleich als  Multiplikator zu fungieren, lade ich euch ein, Teil meines Förderkreises zu werden. An alle aus dem Förderkreis sowie engere Freunde und Bekannte versende ich (soweit möglich) regelmäßige Rundmails in denen ich noch etwas tiefer auf Themen eingehe und von persönlichen Begegnungen ect. berichten möchte. Wer auch Interesse an den Rundmails hat, kann mich gerne unter jasveith@gmail.com kontaktieren.

Personalisiertes Spendenkonto                                                                                                         Kontoinhaber: ijgd                                                                                                                         Bank für Sozialwirtschaft Berlin                                                                                                       BIC:BFSWDE33BER                                                                              IBAN:DE36100205002591813028                                                                                             Verwendungszweck: Spende Freiwilligendienst 2018 – 19

Kritik am Freiwilligendienst

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst im globalen Süden klingt für einige nach etwas großen. Manche haben vielleicht das Bild vor Augen, von kleinen „unentwickelten“ Dörfern, in denen die Freiwilligen dann großes bewirken und beispielsweise Kindern den Zugang zu  Bildung ermöglichen.                                            Dabei wird jedoch außer Acht gelassen, dass wir als Freiwillige oft selbst erst die Schule abgeschlossen haben und maximal geringe Zusatzqualifikationen (bei mir beispielsweise mehrjährige Bibliothekserfahrungen in der Mediathek meiner Schule sowie zwei Praktika) vorhanden sind. Daher werden wir am Anfang eingearbeitet werden müssen, es entsteht für die Partnerorganisation im Land (bei mir ASTROVOT und der Verein Bildung für Balanka) ein Mehraufwand an Arbeit. Natürlich kann man nach kurzer Zeit Aufgaben übernehmen und sich „nützlich“ machen, aber im Vordergrund steht der Austausch zwischen den Kulturen. Daher wird das weltwärts-Programm auch als Freiwilligenaustausch bezeichnet. Freiwillige aus dem globalen Süden können ebenfalls  für ein Jahr in Deutschland ihren Freiwilligendienst absolvieren.

Auch bei uns auf dem Vorbereitungsseminar wurde über den Nutzen und die Nachhaltigkeit unseres Freiwilligendienstes diskutiert. Primär sind wir es, die durch unglaublich viele Erfahrungen profitieren und als Multiplikatoren unsere Erfahrungen und somit unsere ganz persönlichen Einblicke in ein Land des globalen Südens teilen. Denn wenn ich in der Bibliothek in Balanka beispielsweise einen Lesetreff gründen würde, so wäre im nächsten Jahr unklar, ob der darauf folgende Freiwillige diesen fortführt oder ob es nächstes Jahr überhaupt wieder einen bzw. mehrere Freiwillige geben wird.

Viele kennen vielleicht auch Videos (zum Beispiel https://www.youtube.com/watch?v=uEMaIGql5ts)  in denen darüber berichtet wird, was für ein Geschäft durch Freiwilligendienste gemacht wird. Dies bezieht sich jedoch auf private Angebote in denen junge Menschen für einen kurzen Zeitraum in einem sozialen Projekt in einem „Entwicklungsland“ arbeiten und die Kosten für den Aufenthalt selbst tragen. Diese sind dann oft enttäuscht  wenn sie feststellen, dass ihre Anwesenheit nicht unbedingt so notwendig ist wie erwartet und die Bilder der ärmlichen Dörfer nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen.                                                                                                                  Im Gegensatz dazu sind wir im weltwärts-Programm für ein ganzes Jahr im Land und arbeiten mit Partnerorganisationen (NGOs) zusammen, welche vom Bundesministerium für Entwicklung und politische Zusammenarbeit (BMZ)  geprüft werde. Zudem müssen wir eine bestimmte Anzahl an Seminartagen absolvieren, sowohl vor der Ausreise als auch währen und nach dem Freiwilligendienst. Auf den Seminaren setzen wir uns auch mit unserer Rolle als Freiwillige auseinander und hatten Themen wie Kolonialismus, Welthandel, Rassismus und dem besonders heiklen Thema rund um den Begriff was Entwicklung bzw. entwickelt zu sein bedeutet. Auch  übernimmt das Bundesministerium für Entwicklung und politische Zusammenarbeit 75% der Kosten.                                                                                                                                                 Ich persönlich habe mich lange mit dem Thema Freiwilligendienst auseinandergesetzt bevor ich mich bei der ijgd (Internationale Jugend-Gemeinschaftsdienste)  beworben habe und betrachte es als Freiwilligenaustausch. Es ist aus meiner Sicht die einmalige Möglichkeit eine andere Kultur hautnah zu erleben, gerade da ich in einer Gastfamilie lebe und die einzige deutsche Freiwillige in Balanka bin.